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Doppelsieg für Lasse Lührs

Wingster Nachwuchstriathlet sicherte sich außerdem die DM

Innerhalb von nur zwei Wochen erzielte der 19-jährige gebürtige Wingster die größten Erfolge seiner jungen Triathlon-Karriere. Der spektakulärste Sieg gelang ihm bei den Junioren-Europameisterschaften in Genf.

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Lasse Lührs freut sich über den Titel des Deutschen Meisters 2015 der Triathlon-Junioren. Sein Sponsor, die Elbe-Weser-Sparkasse, hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, denn sie fördert den jungen Sportler seit 2014 mit einen Stipendium.


Strahlend blauer Himmel, gut 30° C Lufttemperatur und eine professionelle Planung der Organisatoren sorgten für ideale Bedingungen für die 72 Teilnehmer aus 21 europäischen Ländern. Gestartet wurde morgens um 8 Uhr im Genfer See in traumhafter Kulisse mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die 140 Meter hohe Wasserfontäne „Jet d’eau“ und die schneebedeckten Gipfel des Mont-Blanc-Gebirges. 750 Meter galt es im 20° C kaltem Wasser des Sees um mehrere Bojen zu schwimmen. Lührs konnte sich nach dem Start gut positionieren und Rangeleien, wie sie bei Triathlonstarts im Wasser üblich sind, aus dem Wege zu gehen. Auch ließ er sich nicht von den teilweise starken Strömungen, die im Genfer See aufgrund des Durchflusses der Rhône herrschen, nicht beirren.

Als Elfter verließ er das Wasser und wechselte gewohnt konzentriert und schnell auf die sehr anspruchsvolle Radstrecke, die es, mit einer starken Spitzkurve hinter der Wechselzone, drei Mal zu fahren galt. Eine besondere Herausforderung stellte der gut ein Kilometer lange Berg mit rund 15% Steigung dar, der einigen Athleten große Probleme bereitete. Lührs, der in der zweiten Radgruppe fuhr, konnte die erste Radgruppe nach einigen Kilometern einholen, so dass nach 20 Kilometern gut 30 Athleten gemeinsam die Wechselzone erreichten, um auf die 5 Kilometer lange Laufstrecke zu wechseln.

Auch der zweite Wechsel gelang Lührs ohne Zeitverlust und fehlerfrei, so dass er zu den Ersten gehörte, die die Wechselzone verließen. Nach kurzer Zeit löste sich eine Gruppe von neun Läufern vom Hauptfeld, in der Lührs, mal vorn, mal hinten, bis 500 Metern vor dem Ziel lief. Es war deutlich erkennbar, dass einige Athleten aus der Gruppe viel Kraft auf der Radstrecke gelassen hatten und somit den folgenden Anzug des Tempos nicht standhielten. Nun waren es noch fünf Junioren, die sich dem Ziel näherten. Keine wagte, den Endspurt einzuleiten. Doch dann, 200 Meter vorm Ziel, spurtete der Spanier, Ignacio Gonzalez Garcia, der als Sprinttalent bekannt ist, beherzt los. Lührs behielt die Nerven und ging zwar mit, blieb aber vorerst hinter ihm, um dann, im richtigen Moment, kurz vorm Ziel , aus seinem Windschatten auszuscheren und mit großen, energischen Schritten an ihm vorbei zu preschen, so dass er zwar knapp, aber deutlich als Erster die Ziellinie in 57:41 Minuten überquerte. Was für ein spannender, nervenstark kalkulierter Sieg! Den dritten Platz sicherte sich der Brite Ben Dijkstra vor dem Franzosen Maxime Hueber-Mossbrugger, der im letzten Jahr bei der EM in Kitzbühel Dritter vor Lasse Lührs wurde.

Den Sieg noch nicht richtig verarbeitet, ging es gleich am darauf folgenden Wochenende zu den Deutschen Meisterschaften nach Verl in Nordrhein-Westfalen. Bei weniger optimalen Bedingungen, kurz vor dem Start hatte es stundenlang wie aus Eimern geschüttet und der Boden der Wechselzone und Laufstrecke waren stark aufgeweicht, startete Lührs neben 54 Junioren im Alter von 18 bzw. 19 Jahren aus allen 16 Bundesländern im Verler See, um den diesjährigen Deutschen Meister zu ermitteln. Hatte Lührs es im letzten Jahr, aufgrund eines Gruppen-Radsturzes, nur auf den sechsten Platz geschafft, war in diesem Jahr, insbesondere nach dem Erfolg bei den Europa-Meisterschaften, der Sieg ganz klar anvisiert.

Nach dem Schwimmen auf der 750-Meter-Runde im Verler See, lief Lührs als Dritter in die Wechselzone und fand sich auf der Radstrecke in einer 10-köpfigen Führungsgruppe wieder. Zwei Mal mussten 10 Kilometer mit einem Wendepunkt auf regennasser Landstraße abgefahren werden. Leider arbeitete die Führungsgruppe nicht gut zusammen, so dass das große Feld der nachfolgenden Radfahrer diese einholte. Trotz des Gedrängels beim Erreichen der Wechselzone meisterte Lührs den Wechsel gewohnt souverän und begab sich als Erster auf die durch ein Waldstück führende 5 Kilometer lange Laufstrecke. Allerdings blieb ihm ein Athlet aus Nordrhein-Westfalen auf den Fersen. Dieser schaffte es sogar kurzzeitig Lührs zu überholen. Doch Lührs behielt die Nerven und vertraute auf seine Erfahrung und Laufstärke. Als Lührs das Waldstück in Richtung Zieleinlauf verließ, hatte er bereits gut 15 Sekunden Vorsprung und konnte sich ohne spektakulären Zielsprint den Titel des Deutschen Meisters in einer Zeit von 53:11 Minuten sichern. Zweiter wurde Jonas Hoffmann aus Nordrhein-Westfalen und den dritten Platz erzielte Johannes Vogel aus Mecklenburg-Vorpommern.

Für viele der Team-Kollegen von Lasse Lührs, die sich übrigens alle nach alter Tradition die Haare in der Landesfarbe Brandenburgs rot gefärbt hatten, ist nach den Deutschen Meisterschaften erst einmal eine zweiwöchige Trainingspause vorgesehen. Für Lührs nur die Hälfte, dann steigt er wieder ins Training ein, es folgt ein Trainingslager zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften, für die er sich, aufgrund seiner starken Leistungen qualifiziert hat. Diese finden von 17. bis 19. September 2015 in Chicago statt. Im seinem letzten Juniorenjahr (ab 2016 startet er in der U 23) hat Lührs mutig einen Treppchenplatz bei der WM anvisiert, was nach seinen Erfolgen bei der EM und DM nicht unrealistisch scheint. Weitere Informationen über Lasse Lührs auf seiner Homepage: www.lasseluehrs.de.